Beschreibung
Theoretischer Hintergrund: Die kontinuierliche Entwicklungen der Gesellschaft macht es notwendig, dass Schulen lernen sich an die veränderten Bedingungen anzupassen (Kools et al., 2020). Solche Lernprozesse sind auch für benachteiligte Schulen von entscheidender Bedeutung, da diese mit besonders herausfordernden Bedingungen konfrontiert sind. Schulen können sich durch fortlaufende intentionale Schulentwicklungsprozesse verändern. Demnach können Schule als lernende Organisationen verstanden werden (Klein, 2017). Die Literatur zu lernenden Organisationen fokussiert stark auf das Lernen durch Misserfolge (Faulstich, 2014; Schechter et al., 2004). Lernen durch Misserfolge muss jedoch nicht zwangsläufig zum Erfolg führen. Außerdem werden wichtige Lernmöglichkeiten ausgeschlossen. Auch Herausforderung und Erfolge können wichtige Impulse für Lernprozesse darstellen (Karsten et al., 2000; Schechter et al., 2004). Forschungsfragen: Diese Studie zielt darauf ab, ein besseres Verständnis über die Situation von benachteiligten Schulen sowie deren Orientierung im Schulentwicklungsprozess zu gewinnen. Demnach werden Stärken, Schwierigkeiten, Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven von benachteiligten Schulen untersucht. Aus den Übereinstimmungen der Entwicklungsperspektiven mit den berichteten Stärken, Schwierigkeiten oder Herausforderungen kann abgeleitet werden, ob Schulen im Schulentwicklungsprozess versuchen vorhandene Stärken auszubauen, Schwierigkeiten abzubauen oder Herausforderungen zu bewältigen. Keine Übereinstimmung deutet darauf hin, dass sich die Schulen an nicht identifizierten Faktoren orientieren. Die Forschungsfragen lauten: 1) Welche (a) Stärken, (b) Schwierigkeiten, (c) Herausforderungen und (d) Entwicklungsperspektiven werden von Schulleitungen in sozial deprivierter Lage berichtet? 2) Welche Profile liegen der Orientierung der Entwicklungsperspektiven auf Stärken, Schwierigkeiten, Herausforderungen oder anderen Faktoren in (a) Volks- und (b) Mittelschulen zugrunde? Methode: Die Stichprobe umfasst 100 benachteiligte Schulen in Österreich (55 Volksschulen/ 45 Mittelschulen). Die Einstufung als benachteiligte Schule erfolgte durch einen Index, der die sozioökonomische Zusammensetzung der Schüler*innenschaft abbildet. Die Schulleitungen wurden gebeten einen Online-Fragebogen mit offenen Fragen zu Stärken, Schwierigkeiten, Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven auszufüllen. In dieser Studie wurde ein Mixed-Methods-Ansatz eingesetzt. Die qualitativen Daten wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse (Mayring, 2012) analysiert. Dazu wurde ein Kategoriensystem mit zwei Dimensionen entwickelt (Handlungsebenen/ Qualitätsdimensionen). Zwei Forscher*innen haben das Kategoriensystem unabhängig voneinander auf die Daten angewandt. Die vergebenen Kategorienlabels wurden gegengeprüft (gute Übereinstimmung, ω = .88), die Daten für quantitative Analysen aufbereitet und Häufigkeiten zur Beantwortung der ersten Forschungsfrage in SPSS berechnet. Zur Beantwortung der zweiten Forschungsfrage wurden in Mplus latente Profilanalysen durchgeführt. Die Anzahl der Profile wurde durch den BIC und Entropie-Index bestimmt. Ergebnisse: Die Ergebnisse zur ersten Forschungsfrage zeigen die vielfältigen Herausforderungen, Schwierigkeiten, Stärken und Entwicklungsperspektiven der Schulen. Während einige Aspekte selten genannt wurden, gab es bei anderen Aspekten eine hohe Übereinstimmung. Viele Schulen berichten beispielsweise, dass ihnen die Gestaltung einer positiven Schulkultur gut gelingt (76 Schulen), ihnen die Kooperation mit Familien und Elternarbeit Schwierigkeiten bereitet (68 Schulen), sie den Lehrpersonenmangel als Herausforderung erleben (68 Schulen) und sie die Unterrichtsgestaltung weiterentwickeln wollen (67 Schulen). Die Ergebnisse zur zweiten Forschungsfrage zeigen, dass es unterschiedliche Profile bei der Orientierung der Entwicklungsperspektiven gibt. Während sich die Entwicklungsperspektiven einer Gruppe von Schulen eher an den Schwierigkeiten und anderen Faktoren orientieren, orientiert sich eine weitere Gruppe eher an den Stärken und anderen Faktoren. Eine dritte Gruppe weist eine stärkere Orientierung an anderen Faktoren aus, während die Orientierung an Stärken, Schwierigkeiten und Herausforderungen eher gering und ausgewogen ist. Schulen mit ähnlichen herausfordernden Bedingungen haben demnach unterschiedliche Ansätze im Schulentwicklungsprozess. Der Vergleich zwischen Volks- und Mittelschulen zeigt, dass sich die Schulformen in der Anzahl und Ausprägung der identifizierten Profile unterscheiden. Insgesamt ergibt sich ein komplexes Bild zur Situation und Schulentwicklungsorientierung von benachteiligten Schulen, die keine Verallgemeinerung zulässt. Die Bedeutung der nicht identifizierten Faktoren soll im Beitrag diskutiert werden.| Zeitraum | 1 März 2023 |
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| Ereignistitel | Die 10. GEBF-Tagung |
| Veranstaltungstyp | Konferenz |
| Ort | Essen, DeutschlandAuf Karte anzeigen |