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„Familien braucht man zum Leben.“ Was Kinder über Familien wissen sollten.

Aktivität: Vorträge › Vortrag › Science to Science

Beschreibung

Familien als zentraler Lebensbereich von Kindern sind in vielerlei Hinsicht divers und komplex. Forschung darüber, wie Kinder familiäre Diversität konzeptualisieren, ist aber begrenzt. Fundiertes Wissen über kindliche Perspektiven auf Familien ist für die Sozialwissenschaften ebenso relevant wie für den Bildungsbereich, da familiale Diversität zwar als Thema in Lehrplänen vorgegeben ist, die didaktische Umsetzung jedoch schwierig sein kann. Dieser Beitrag gibt Einblicke in kindliche Gedanken, Vorstellungen und Konzepte zum Themenbereich Familien und fragt, was Kinder im Grundschulalter (aus Kindersicht) über Familien wissen sollten.

Die vorgestellte Studie basiert auf partizipativer Forschung mit 87 acht- bis elfjährigen Kindern. Es wurden 24 Workshops in sechs Klassen einer städtischen und einer ländlichen Region Österreichs durch-geführt. Dabei wurden verschiedene Methoden verwendet, u.a. Concept Cartoon Diskussionen, die Sammlung und Analyse von Artefakten sowie von den Kindern gestaltete Forschungstagebücher. Die verbalen Daten wurden transkribiert und themenanalytisch ausgewertet. Auf Basis der kindlichen Perspektiven wird ein Kartenset zu familienrelevanten Themen entwickelt, das als Unterrichtsmaterial in Grundschulen verwendet werden kann.

Erste Ergebnisse zeigen, dass folgende Aspekte zentral für Grundschulkinder sind:
(1) Definition und Bedeutung von Familien: Kinder thematisieren zwar unterschiedliche Konstellationen, definieren Familien aber mit starkem Fokus auf die Kernfamilie als Referenz und vorrangig auf Basis von Verwandtschaft und/oder emotionaler Verbundenheit. Familien sind aus ihrer Sicht wichtig zum (Über-)Leben.
(2) Ökonomische Diversität zeigt sich anhand unterschiedlicher finanzieller Ressourcen. Die Vielfalt von Familien wird aus Kindersicht v.a. anhand von Lebens- und Wohnbedingungen sowie Freizeitgestaltung sichtbar.
(3) Kulturelle Diversität wird entlang verschiedener Traditionen, Feste, Sprachen, Aussehen und Essgewohnheiten diskutiert.
(4) Emotionen und Aushandlungsprozesse in Familien: Positive Gefühle, Zusammenhalt, Ehrlichkeit und Respekt in Familien gelten als wünschenswert. Konflikte in Familien werden als unvermeidbar konzipiert und sollten rasch geklärt werden.
(5) Sorgen und Ängste: Die teilnehmenden Kinder konstruieren Familien als potenziell verletzlich und thematisieren Gewalt, Krieg, Flucht, Verlust und Trauer. Transitionen sind besonders angstbehaftet.

Die Analyse zeigt, dass kindliche Vorstellungen über Familien vielfältig, differenziert und oft überraschend sind. Wir diskutieren die Bedeutung unserer Erkenntnisse für die Sozialwissenschaft und reflektieren die Übertragbarkeit kindlicher Perspektiven in didaktische Konzepte. Wir thematisieren die Relevanz der Sensibilisierung von Lehrpersonen im Hinblick auf familiale Diversität und diskutieren, inwiefern partizipativ entwickeltes Unterrichtsmaterial nicht nur die Reflexionsleistungen der Kinder, sondern auch jene der Lehrkräfte anregt.
Zeitraum4 Juli 2026
EreignistitelFamilie im Plural. Diversität & Heterogenität als Herausforderung in der erziehungswissenschaftlichen Familienforschung: 9. Tagung des Netzwerks Erziehungswissenschaftliche Familienforschung
VeranstaltungstypKonferenz
OrtKassel, DeutschlandAuf Karte anzeigen
BekanntheitsgradInternational