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"Als Bergbau noch nachhaltig war? Ressourcenmanagement als Fall für eine angewandte Geschichtswissenschaft"

Aktivität: VorträgeVortragScience to Science

Beschreibung

Vortrag im Rahmen des ZUG (Zentrum für Umweltgeschichte) Minisymposiums
Institut für Soziale Ökologie, BOKU University


Im Kontext der gegenwärtigen Klimakrise sind Diskussionen über einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen omnipräsent, aber widersprüchlich, sodass die Suche nach Lösungen oft in politischen Pattsituationen endet. Die Mittelalterhistorikerin Annette Kehnel (2021) siehtden Grund darin, dass die Narrative festgefahren sind und schlägt vorim Sinne einer angewandten Geschichtswissenschaft, Inspiration fürneue politische Erzählungen in der Vergangenheit zu suchen. Der historische Bergbau eignet sich nur bedingt als Inspirationsquelle für denUmgang mit Ressourcen, da er schon im 16. Jahrhundert als hochtechnisiert und ausbeuterisch galt und seine Altlasten teils noch heuteMenschen und Umwelt schädigen. Er wird von Kehnel dementsprechend auch nicht weiter thematisiert.

Der Bergbau im frühneuzeitlichen Europa war in der Tat sehr ambivalent. Einerseits gilt er mit Schichtarbeit, Aktienkapital und neuerSprengtechnik als Labor für die industrialisierte Moderne, andererseitsblieb er in agrarische Gesellschaften und deren Normen und Praktikeneingebettet. Einerseits betrieben involvierte Akteure profitorientierteZweckrationalisierung, andererseits orientierten sie sich an magischreligiösen Vorstellungen und am Gemeinwohl. Gerade wegen dieserAmbivalenz – so unsere These – kann die Beschäftigung mit demfrühneuzeitlichen Bergbau zu neuen politischen Narrativen führen.

Unser Vortrag verbindet ideen- und praxisgeschichtliche Ansätze undarbeitet sowohl Konzepte der „bergmännischen Nachhaltigkeit“ alsauch konkreten Praktiken des Ressourcenmanagements im Erzgebirge und Niederungarn (heute: Mittelslowakei) heraus.Wir analysieren hierfür Quellen aus dem Umfeld der kursächsischenund habsburgischen Bergbauadministration. Die herausgearbeitetenAmbivalenzen sollen der Auftakt für eine Diskussion mit den Teilnehmenden sein, inwiefern sich der historische Bergbau als Fall für eineangewandte Geschichtswissenschaft eignet.
Zeitraum15 Mai 2025
Gehalten amUniversität für Bodenkultur Wien, Österreich
BekanntheitsgradNational