Kindliche Gewissensbisse: Eine Meta-Analyse zur Eltern-Kind-Beziehung und kindlichen Scham- und Schuldgefühlen

Aktivität: VorträgeVortragScience to Science

Beschreibung

Theorie: Scham- und Schuldgefühle stellen wichtige Emotionen des menschlichen Sozialverhaltens sowie der psychischen Gesundheit über die Lebensspanne dar. Während sie im normativen Ausmaß nützliche soziale Hinweisgeber sind, treten internalisierte Scham- und Schuldgefühle als transdiagnostische Korrelate einer Vielzahl psychischer Störungen in Erscheinung. Aufgrund der Entwicklung von Scham- und Schuldgefühlen in der Kindheit wird ein Zusammenhang mit der Eltern-Kind-Beziehung vermutet. Ein integratives und systemisches Verständnis der Entwicklung dieser Emotionen im Geflecht der Familienbeziehungen kann helfen, maladaptive Entwicklungen im Kindes- und Jugendalter zu verstehen und zu behandeln sowie ihnen vorzubeugen. Das Ziel dieser Arbeit war eine erstmalige systematische Zusammenfassung der bisherigen empirischen Literatur von Scham- und Schuldgefühlen in der Kindheit im Zusammenhang mit der Eltern-Kind-Beziehung. Methode: Eine systematische Datenbankrecherche (PubMed, Scopus, Web of Science, PsycInfo, PSYNDEX) identifizierte 25 relevante Studien (N = 7 908, 370 Effektstärken), welche in sechs Meta-Analysen (M1–6) eingeschlossen wurden. Einschlusskriterien waren die aktuelle oder retrospektive Erhebung der Eltern-Kind-Beziehung, der Scham- und Schuldgefühle des Kindes sowie ihr korrelativer Zusammenhang in einer nicht-klinischen Population. Ergebnisse: Negative Charakteristika der Eltern-Kind-Beziehung korrelierten positiv mit Schamgefühlen (M1, Fisher z = .16) sowie maladaptiven Schuldgefühlen (M2, Fisher z = .18), jedoch nicht mit adaptiven Schuldgefühlen (M3, Fisher z = .04). Positive Charakteristika der Eltern-Kind-Beziehung korrelierten negativ mit Schamgefühlen (M4, Fisher z = -.16) und positiv mit adaptiven Schuldgefühlen (M5, Fisher z = .16), jedoch nicht mit maladaptiven Schuldgefühlen (M6, Fisher z = .04). Diskussion: Positives Verhalten der Eltern gegenüber dem Kind hing mit einer adaptiven moralischen Entwicklung des Kindes zusammen und erwies sich als Schutzfaktor vor internalisierten Schamprozessen. Demgegenüber kann negatives Verhalten der Eltern gegenüber dem Kind als Risikofaktor für negative Selbstbewertungen und übertriebene Schuldgefühle angesehen werden, die auf eine maladaptive moralische Entwicklung hinweisen. Internalisierte und tiefgreifende Scham- und Schuldprozesse können auch im Erwachsenenalter die Entstehung psychischer Störungen transdiagnostisch fördern, weshalb eine frühe Erkennung maladaptiver emotionaler Prozesse sowie ihrer individuellen Entstehungsfaktoren für personalisierte Therapieansätze über die Lebensspanne hinweg von Bedeutung ist.
Zeitraum12 Mai 2023
Ereignistitel2. Deutscher Psychotherapie Kongress 2023
VeranstaltungstypKonferenz
OrtBerlin, Deutschland, BerlinAuf Karte anzeigen
BekanntheitsgradInternational

Schlagwörter

  • Meta-Analyse
  • Scham
  • Schuldgefühle
  • Kinder
  • Jugendliche
  • Eltern
  • Eltern-Kind-Beziehung
  • Emotionssozialisation
  • Familie