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Mütter von Jugendlichen während der COVID-19 Pandemie in Österreich: eine Typologie der Unterstützung

Aktivität: Vorträge › Vortrag › Science to Science

Beschreibung

Erwachsenwerden ist für Jugendliche, ihre Eltern und Familien auch in Zeiten ohne multiple Krisen herausfordernd. Die COVID-19-Pandemie hat diese Herausforderungen verstärkt und sich in vielfältiger Weise auf Jugendliche ausgewirkt. Eltern sorgten sich besonders über mögliche negative Auswirkungen auf die schulische und psychosoziale Entwicklung von Jugendlichen. Die
gesellschaftliche Verantwortung für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wurde während und auch nach der Pandemie vorwiegend Eltern und insbesondere Müttern zugeschrieben, auch aufgrund unzureichender öffentlicher Unterstützungsangebote. Dieser Beitrag bietet eine umfassende soziologische Analyse der Erfahrungen und Herausforderungen von Müttern bei der
Unterstützung ihrer adoleszenten Kinder während der COVID-19-Pandemie und gibt einen Ausblick auch auf die Implikationen für die Zeit nach der Pandemie.

Theoretisch basiert die Studie auf Konzepten der sozialen Konstruktion von Mutterschaft und dem Konzept der identity work. Empirisch stützt sich der Beitrag auf ein Teilsample der österreichweiten qualitativen Längsschnittstudie „Corona und Familienleben" und umfasst Daten von 23 Müttern von 29 Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren. Die Mütter wurden über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren (März 2020 bis Juni 2022), mittels problemzentrierter Telefoninterviews und Tagebucheinträgen, wiederholt befragt (insgesamt 12 Erhebungswellen). Die Datenanalyse basiert auf dem Kodierschema der Grounded Theory.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Mütter über Auswirkungen der Pandemie auf das soziale, körperliche, psychische und schulische Wohlbefinden ihrer Kinder, sowie insbesondere über das Versäumen wichtiger (Entwicklungs-)Schritte in diesem Alter (bspw. Emanzipation von den Eltern, erste Partnerschaften, wichtige Geburtstage), sorgten. Die Unterstützung von Jugendlichen während
der COVID-19-Pandemie erforderte von den Müttern ein aktives Engagement in Emotions- und Fürsorgearbeit sowie einen resilienten Umgang mit alltäglichen Veränderungen und Herausforderungen durch die Pandemie. Gleichzeitig waren sie mit den Auswirkungen der Pandemie auf sich selbst und andere Familienmitglieder konfrontiert. Wir konnten vier unterschiedliche Typen
mütterlicher Unterstützung identifizieren: Coach, Buddy, Cheerleader und Bystander. Diese Unterstützungstypen veränderten sich im Zeitverlauf in Abhängigkeit von aktuellen Maßnahmen und Anforderungen durch die Pandemie und konnten einen resilienteren Umgang mit der Pandemie von Müttern und ihren Jugendlichen fördern. Die Langzeitfolgen der Pandemie für Eltern und
Jugendliche, und die daraus resultierenden Belastungssituationen in Familien verdienen vermehrt Aufmerksamkeit, um eine zukunftsorientierte Unterstützung von Familien anzustoßen.
Zeitraum1 Juli 2025
Ereignistitel28. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie (ÖGS) : Das Klima der Gesellschaft
VeranstaltungstypKonferenz
OrtGraz, ÖsterreichAuf Karte anzeigen
BekanntheitsgradNational