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Musikinstrumente im Vergleich

  • Saleh Siddiq (Autor*in)

Aktivität: VorträgePosterpräsentationScience to Science

Beschreibung

Klangfarbe ist mit mehreren Klangaspekten assoziiert und nicht durch eine einzige Größe erfassbar. Die Mehrdimensionalität von Instrumentalklangfarben war wiederholt Gegenstand der Klangfarben­forschung (Bismarck 1972, Grey 1975, Krumhansl 1989, McAdams et al. 1995, Lakatos 2000). Dabei wurden übereinstimmend die Dimensionen Schärfe/Helligkeit, Einschwingzeit sowie mit Abstrichen spektrale Fluktuationen gefunden (Caclin et al. 2005). Studien mit mehreren Tönen pro Instrument konnten allerdings zeigen, dass die Berücksichtigung von Tonhöhe und Dynamik zu anderen Dimensionen führt (Marozeau et al. 2003, Handel & Erickson 2004, Siddiq et al. 2016).Zumeist wurden die untersuchten Instrumente in einem Gesamtvergleich gegenübergestellt und so globale Klang­farbendimensionen ermittelt. Verschiedene Anregungsmechanismen führen jedoch zu unterschiedlichen Klangeigen­schaften. Dieser Umstand wurde entweder ignoriert oder durch instrumentenspezifische „Auslagerungs­dimensionen“ erfasst (Krumhansl 1989, McAdams et al. 1995). Es stellt sich daher die Frage, inwiefern der instrumentale Kontext die perzeptiven Dimensionen von Instrumentalklangfarben beeinflusst.Für die vorgestellte Studie werden fünf Instrumente (Cello, Fagott, Flöte, Klarinette, Posaune) in drei Tonhöhen in jeweils drei Dynamikstufen getestet. Im Hörversuch werden die subjektiven Unterschiede der Klänge zueinander ermittelt. Die Daten werden in Unähnlichkeitsmatrizen für verschiedene Kontexte (Instrumenten- und Registervergleiche) gruppiert. Mittels multidimensionaler Skalierung werden für alle Matrizen Konfigurationen errechnet, die Aufschluss über die jeweilige Dimensionalität der einzelnen Kontexte geben. Mit den Möglichkeiten des Music Information Retrieval werden relevante psychoakustische Features der Klänge extrahiert. Durch die Korrelationsanalyse der Featurewerte mit den Rängen der Klänge in jeder Dimension werden die den perzeptiven Dimensionen zugrundeliegenden physikalischen Klangeigenschaften identifiziert.Es ist anzunehmen, dass kontextabhängig unterschiedliche und unterschiedlich viele Klangeigenschaften aus­schlaggebend sind. Grundsätzlich hat sich die Tonhöhe als stärkster Faktor herausgestellt (Siddiq et al. 2016). Innerhalb kleinerer Intervallbereiche (Register) treten jedoch andere Faktoren in den Vordergrund. Bei ähnlichen Anregungsmechanismen (z.B. Doppelrohrblattinstrumente wie Fagott und Oboe) liegen die Unter­schiede wahrscheinlich v.a. in der Ausprägung ansonsten gleicher akustischer Eigenschaften, während bei verschiedenen Anregungsmechanismen eher grundsätzliche Unterschiede (z.B. Anblas- vs. Anstrich­geräusch) ausschlaggebend sind.LiteraturBismarck, G.v. (1972) Extraktion und Messung von Merkmalen der Klangfarbenwahrnehmung stationärer Schalle. Mitteilung aus dem Sonderforschungsbereich 50 Kybernetik, München.Caclin, A., et al. (2005) Acoustic correlates of timbre space dimensions: A confirmatory study using synthetic tones. JASA, 118(1), 471–482Grey, J. (1975) An exploration of musical timbre using computer-based techniques for analysis, synthesis and perceptual scaling. Report Nr. STAN-M-2.Handel, S.; Erickson, M. (2004) Sound Source Identification: The Possible Role of Timbre Transformations. Music Perception, 21(4), 587–610Krumhansl, C. (1989) Why is musical timbre so hard to understand? In: Nielzen, S.; Olsson, O. (Hrsg.). Structure and perception of electroacoustic sound and music. Amsterdam, 43–53.Lakatos, S. (2000) A common perceptual space for harmonic and percussive timbres. Perception & Psychophysics, 62(7), 1426–1439Marozeau, J. et al. (2003) The dependency of timbre on fundamental frequency. JASA, 114(5), 2946–2957McAdams, S. et al. (1995) Perceptual scaling of synthesized musical timbres: Common dimensions, specificities, and latent subject classes. Psychological Research, 58(3), 177–192Siddiq, S. et al. (2016) Timbre Space reloaded: Tonhöhe und Dynamik als Teil der Klangfarbenempfindung. Fortschritte der Akustik – DAGA 2017. 198–201
Zeitraum17 Sept. 2017
Ereignistitel"Musik und Bewegung" 33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie (DGM)
VeranstaltungstypKonferenz
OrtHamburg, DeutschlandAuf Karte anzeigen

Schlagwörter

  • Klangfarbe
  • Klangfarbenwahrnehmung
  • Multidimensionale Skalierung (MDS)
  • Systematische Musikwissenschaft
  • Musikpsychologie
  • Musikinstrumente
  • Klangfarbendiskrimination
  • Empirische Studie
  • Hörversuch
  • Musikalische Akustik