Ö1 Radiokolleg: Der neue Aktivismus. Von Wutbürgern und Weltretter/innen (4)

  • Sandra Folie

Presse/Medien: Expertenkommentar

Beschreibung

Sie stehen eng beisammen, tragen keine Masken und halten Schilder in die Höhe: "Schluss mit der Bevormundung", "Maske weg" oder "Corona-Wahnsinn stoppen": die Corona-Aktivisten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie auf die Straße gehen und ihren Dissens mit demokratisch legitimierten Maßnahmen öffentlich ausagieren. Doch wogegen richtet sich der Zorn der Demonstranten und welche Überzeugungen treiben sie an? Greifen hierbei noch traditionelle Denkmuster, die zwischen linken und rechten Anliegen unterscheiden? Im Falle der Corona-Aktivisten zeigt sich eine große Bandbreite an politischen Ideen: Während die einen das mutwillige Einschränken von staatsbürgerlichen Grundrechten und autoritäre Tendenzen hinter den Corona-Maßnahmen kritisieren, vermuten andere gar, die Pharma-Industrie habe Corona erfunden oder glauben an eine Weltverschwörung von superreichen Milliardären im Einklang mit der modernen Wissenschaft.

Auch die verstörenden Ereignisse in Washington und die Erstürmung des Kapitols zeigen die zunehmende Bereitschaft von Wutbürgern, demokratische Entscheidungen und ihre Repräsentanten in aller Öffentlichkeit anzugreifen. Sind derartige Ereignisse ein Anzeichen dafür, dass die westlichen Demokratien in Gefahr sind? Oder ist die Zunahme an politischem Aktivismus in der Öffentlichkeit ein Beweis für das Funktionieren der Demokratien? Und wie wird der Unmut der Bürger/innen von radikalen Gruppierungen instrumentalisiert?

Ganz anders gelagert ist der aktionistische Protest gegen den Klimawandel der jungen Generation. Sie sehen sich als konstruktive WeltverbesserInnen, die sich wie Greta Thunberg an neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren. Quer über den Globus sind in den vergangenen Jahren jugendliche Aktivisten und vor allem Aktivistinnen auf der medialen Bildfläche erschienen, die entschlossen sind, gegen Missstände aufzutreten. Memory Banda war gerade 12 Jahre alt, als sie in ihrer Heimat Malawi vor die Dorfältesten trat und gegen Kinderehe und grausame Initiationsriten demonstrierte. Die Wijsen Schwestern waren erst 10 und 12 Jahre alt als sie wegen der Vermüllung der indonesischen Flüsse und Küsten die Initiative "Bye Bye Plastic Bags" gründeten.

Ihre Botschaften verbreiten sich viral in den neuen Medien, machen sie zu Berühmtheiten und können Millionen von Followern begeistern. Spätestens mit der Generation der digital natives scheint der Unterschied zwischen Öffentlichkeit auf der Straße und Öffentlichkeit im Internet obsolet geworden zu sein. Schon ist die Rede davon, dass mit der sogenannten Generation Z. der heute 10-20-Jährigen die 68er-Protestkultur des 20. Jahrhunderts ihre Auferstehung feiert.

Auch in Österreich gibt es immer mehr junge Menschen, die für Ihre Anliegen auf die Straße gehen. Die apolitischen Zeiten einer konsumorientierten Jugend- und Spaßkultur scheinen definitiv zu Ende zu gehen.

Zeitraum25 März 2021

Medienabdeckung

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Medienabdeckung

  • TitelRadiokolleg: Der neue Aktivismus. Von Wutbürgern und Weltretter/innen (4)
    BekanntheitsgradNational
    Medienbezeichnung/OutletÖ1
    MedienformatRadio
    Dauer/Länge/Größe25min
    Land/GebietÖsterreich
    Datum der Veröffentlichung25/03/21
    Produzent/AutorJohannes Gelich
    PersonenSandra Folie

Schlagwörter

  • Aktivismus
  • Literarischer Aktivismus
  • Frauenliteratur