Aquatische Crustacea (Krebstiere), Branchiopoda (Blattfusskrebse), Copepoda (Ruderfusskrebse), Ostracoda (Muschelfusskrebse)

Santiago Gaviria-Melo (Korresp. Autor*in), Peter Pospisil

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    Abstract

    Branchiopoden gelten als eine ursprüngliche Crustaceengruppe (Dumont & negrea 2002), die große (Anostraca, Notostraca, Laevicaudata, Haplopoda) und kleine (Cladocera, meist unter 3 mm Körpergröße) Formen einschließt. Unter den großen Branchiopoden finden sich keine endemischen Arten in Österreich. Cladoceren (Wasserflöhe) sind weltweit mit ca. 500 Arten vertreten (Dumont & Negrea 2002); in Österreich existieren 102 Arten, Unterarten und Hybriden (Gaviria-Melo et al. 2003b). Sie kommen hauptsächlich im Süßwasser vor, besiedeln jedoch alle Typen von aquatischen Lebensräumen mit Ausnahme von schnell fließenden Gebirgsbächen und stark verschmutzten Gewässern. Sie leben im Pelagial und Benthal; ihre höchste Diversität und Dichte erreichen sie zwischen Wasserpflanzen. Die meisten Cladoceren sind Partikelfresser, nur wenige Arten sind räuberisch (Gaviria-Melo et al. 2003a). Sie sind getrennt geschlechtlich, bei der Fortpflanzung wechseln bisexuelle und parthenogenetische Generationen ab (Heterogonie). Taxonomische und faunistische Studien der Cladoceren Österreichs sind in Gaviria-Melo et al. (2003b) zusammengefasst. Obwohl die Cladocerenfauna Österreichs allgemein recht gut bekannt ist, liegen aus bestimmten Regionen (Inn- und Mühlviertel, südliche Steiermark und Vorarlberg) wenig Informationen vor. Cladoceren kommen im Benthal von Fließgewässern sowie im Grundwasser weniger häufig vor als Copepoden und Ostracoden und sind daher vergleichsweise schlechter untersucht. Copepoda (Ruderfußkrebse) Ruderfußkrebse sind weltweit mit 11.500 Arten (Humes 1994) vertreten und gelten als die Metazoen-Gruppe mit der höchsten Zahl an Individuen (Boxshall & Halsey 2004). Im Süßwasser leben ca. 2.500 Arten, in Österreich 119 (Gaviria 1998, Pospisil & Stoch 1999, Christian 2002, Gaviria et al. 2002). Eine Zusammenstellung der taxonomischen und faunistischen Untersuchungen der Copepodenfauna Österreichs findet sich in Gaviria (1998). Copepoden leben im Pelagial und Benthal aller Gewässertypen, ebenso im Grundwasser sowie in semiterrestrischen und terrestrischen Lebensräumen, wie feuchten Böden (Christian 2002). Auch bei dieser Gruppe herrscht in den oben genannten Gebieten Österreichs ein Mangel an faunistischen Studien. Weitere Untersuchungen in feuchten Böden und im Grundwasser könnten die Artenzahl der Gattungen Moraria, Elaphoidella und Parastenocaris erhöhen. Copepoden sind Filtrierer oder Räuber. Sie sind meistens getrennt geschlechtlich. Ostracoda (Muschelkrebse) Muschelkrebse sind kleine, muschelähnliche Crustaceen. Weltweit sind ca. 5.000 rezente und 40.000 fossile Arten bekannt (Westheide & Rieger 1996). Das Arteninventar von Löffler (1963) listet für Österreich 82 rezente Arten auf, inzwischen sind 90 Arten und Unterarten (Meisch 2000, Gaviria-Melo 2006) bekannt. Wichtige Beiträge zur Ostracoden-Forschung Österreichs finden sich in Graf (1938), Löffler (1959, 1960, 1963, 1964, 1975), Danielopol (1976, 1991), Danielopol & Pospisil (2001) und Namiotko et al. (2005). Ein aktuelles Arteninventar mit entsprechenden Fundorten und Verbreitungsdaten der einzelnen Arten fehlt. Ostracoden leben in allen Gewässertypen, hauptsächlich im Benthal, zwischen Wasserpflanzen und im Grundwasser, wenige Arten sind pelagisch. Man findet sie auch in semiterrestrischen Lebensräumen wie Humus und feuchten Böden. Ostracoden kriechen am Gewässergrund oder graben sich dort ein. Sie sind getrennt geschlechtlich, Männchen fehlen jedoch in manchen Populationen.
    OriginalspracheDeutsch
    TitelEndemiten - Kostbarkeiten in Österreichs Pflanzen- und Tierwelt
    Redakteure*innen W. Rabitsch, F. Essl
    ErscheinungsortKlagenfurt
    Herausgeber (Verlag)Unknown publisher
    Seiten386-398
    Seitenumfang628
    PublikationsstatusVeröffentlicht - 2009

    ÖFOS 2012

    • 106003 Biodiversitätsforschung
    • 106020 Limnologie

    Zitationsweisen