Die Funktion migrantischer Arbeit – Zur Aktualität klassischer Segmentationstheorien

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Abstract

Vor dem Hintergrund globalisierter Arbeitsmärkte und zunehmender internationaler Mobilität auf der einen Seite sowie dem Versuch, Migration in Europa politisch zu steuern und zu begrenzen auf der anderen Seite, ist Arbeitsmigration ein hoch relevantes wie kontroverses Thema. Welche Rolle spielt Arbeitsmigration heute im Vergleich zum Gastarbeiterregime der 1950er- und 1960er-Jahre? Erfüllen Migrant_innen noch immer die Funktion einer „industriellen Reservearmee“? Inwieweit sind sie Teil eines sekundären Arbeitsmarktes? Und wie wirken Rassismus und ungleiche Geschlechterverhältnisse auf die Segmentierung von Arbeit? Im aktuellen öffentlichen Diskurs im deutschsprachigen Raum wird Arbeitsmigration
wenig thematisiert. Wenn Migration im Fokus steht, dann vor allem das Thema
„Flüchtlinge“ – und dies durch das Erstarken rechter Parteien und Bewegungen häufig in ressentimentgeladener bis rassistischer Weise. Diese Vernachlässigung von Arbeitsmigration spiegelt sich auch in den Sozialwissenschaften wider. Während in den 1970er und 1980er- Jahren die politökonomische Rolle von Arbeitsmigration intensiv diskutiert und in einigen Arbeiten in den 1990er-Jahren weiterentwickelt wurde, gibt es wenig aktuelle Konzepte, die sich mit dem theoretischen Verständnis von Arbeitsmigration beschäftigen, und auch aktuelle Studien greifen meist auf die älteren Ansätze zurück. In diesem Beitrag reflektiere ich deshalb zwei prominente theoretische Konzepte aus den 1970er-Jahren hinsichtlich ihres Potenzials, die Beschäftigung von Migrant_innen
insbesondere im Niedriglohnsektor in Europa heute zu erfassen: erstens die Konzeption von Arbeitsmigrant_innen als „industrielle Reservearmee“ (Castles/Kosack 1973) und zweitens die konstitutive Bedeutung migrantischer Arbeit am „dualen Arbeitsmarkt“ (Piore 1979). Das zentrale Argument ist, dass diese beiden Ansätze in Kombination mit neueren Segmentationstheorien noch immer dazu beitragen, die Funktionalität migrantischer Arbeit zu verstehen. Zugleich ist es angesichts des Wandels in Richtung Dienstleistungsgesellschaft und der Ausdifferenzierung von Mobilitäten und ihren Regulierungsweisen notwendig, die Konzepte durch gendertheoretische – insbesondere feministisch-materialistische – und sozialkonstruktivistische Ansätze zu erweitern.
OriginalspracheDeutsch
Seiten (von - bis)13-22
FachzeitschriftKurswechsel: Zeitschrift für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen
Jahrgang3
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2019

ÖFOS 2012

  • 504002 Arbeitssoziologie
  • 504021 Migrationsforschung

Schlagwörter

  • Migration, Arbeit, Segmentationstheorien

Zitationsweisen