Funktionelle Morphologie und Evolution der Mundwerkzeuge bei Nektar saugenden Insekten

Harald Krenn, Nikolaus Szucsich

    Veröffentlichungen: Beitrag in FachzeitschriftArtikelPeer Reviewed

    Abstract

    Die Mundwerkzeuge vieler Blüten besuchender Insekten zeigen eine Reihe von Merkmalen, die im Zusammenhang mit der Aufnahme von Nektar stehen und unter funktionellen und phylogenetischen Aspekten interpretiert werden können. Im einfachsten Fall sind bestimmte Teile der Mundwerkzeuge ausstreckbar und besitzen benetzbare Oberflächenvergrößerungen. Nektar wird durch Kapillarkräften auf diese Strukturen geladen und fließt über die Mundwerkzeuge zur Mundöffnung. Auf diese Weise spezialisierte Mundwerkzeuge sind vielfach unabhängig bei Coleoptera, Hymenoptera und Diptera und vielleicht auch bei Trichoptera und Neuroptera entstanden. Bei diesen Insekten sind Adhäsionskräfte wesentlich an der Flüssigkeitsaufnahme beteiligt, wobei die ausstreckbaren Teile der Mundwerkzeuge analog zu einer Zunge funktionieren. Solche Mundwerkzeuge sind in der Lage winzigste Nektarmengen aufzunehmen. Auch stark eingedickter Nektar kann als Nahrung genutzt werden, wobei die Abgabe von Speichel oft eine wichtige Rolle spielt. Dagegen funktioniert ein Saugrüssel, der Nektar vor allem entlang eines Druckgradienten einsaugt, analog zu einem Strohhalm. Dieser Funktionstyp ist einmal innerhalb der Lepidoptera, vermutlich zweimal unabhängig bei einer Gruppe von Coleoptera und mehrfach bei Hymenoptera und Diptera entstanden. Bei diesen Insekten bilden die Mundwerkzeuge einen Saugrüssel, der oft länger als der Körper ist. Die morphologischen Besonderheiten sind ein abgedichtetes Nahrungsrohr, eine spezialisierte, flexible Rüsselspitze und eine besondere Rüsselposition in Ruhestellung; dazu kommt ein Pumporgan im Kopf. Der Vorteil eines besonders langen Saugrüssels liegt im Zugang zu Nektar aus tiefen Blüten oder aus langen Blütenspornen, doch kann so nur relativ dünnflüssiger Nektar aufgesaugt werden. Die Evolution dieser Nektarsaugorgane kann bei einzelnen Gruppen rekonstruiert werden und zeigt die unterschiedlichen Ausgangspunkte der Entwicklung von extrem langen Saugrüsseln bei hoch spezialisierten Blütenbesuchern.
    OriginalspracheDeutsch
    Seiten (von - bis)93-93
    Seitenumfang1
    FachzeitschriftEntomologica Austriaca: Zeitschrift der Österreichischen Entomologischen Gesellschaft
    Jahrgang13
    PublikationsstatusVeröffentlicht - 2006
    VeranstaltungÖsterreichisches Entomologisches Kolloquium 2006 - Innsbruck, Österreich
    Dauer: 18 März 200618 März 2006

    ÖFOS 2012

    • 106054 Zoologie
    • 106012 Evolutionsforschung

    Zitationsweisen