"Heute in Spanien, morgen in Italien!" Carlo Rosselli, Emilio Lussu und der Spanische Bürgerkrieg: Theorie und Praxis

Renate Lunzer

Veröffentlichungen: Beitrag in BuchBeitrag in Buch/SammelbandPeer Reviewed

Abstract

Heute in Spanien, morgen in Italien!
Carlo Rosselli, Emilio Lussu und der Spanische Bürgerkrieg. Theorie und Praxis.

„Italiener, der italienische Antifaschismus lebt! Nie war er lebendiger als jetzt…
Der italienische Antifaschismus hat in Spanien […] seine große Kraft gezeigt. Jetzt ist Schluss mit den Verleumdungen von einen italienischen Proletariat, das unfähig sei, auf den Faschismus zu reagieren. Jetzt ist vor allem auch Schluss mit der reinen „Exil-Akademie“, zu der uns ein undankbares Schicksal zu verurteilen schien…“
Es war Carlo Rosselli, der diese Worte ausrief, Rosselli, der großherzigste, stärkste, leidenschaftlichste unter den führenden Köpfen der antifaschistischen Emigration und Kommandant der ersten italienischen Einheit, die den revolutionären katalanischen Milizen sogleich nach dem Beginn der Feindseligkeiten zu Hilfe eilte. Und es war ein Wechsel von einer vorwiegend „theoretischen“ Position im Rahmen der liberal-sozialistischen Bewegung Giustizia e Libertà zu einer lebensgefährlich „praktischen“ in den aragonesischen Schützengräben, in einem Kampf, der „heute noch spanisch, morgen italienisch“ sein würde (wie Rosselli hoffnungsvoll an seine Frau am 23. Aug. 1936 schrieb). Diesen Wechsel schaffte Emilio Lussu, der legendäre Weltkriegsheld und leader der Sardischen Aktionspartei, erst Monate später. Ihm war 1929 gemeinsam mit Rosselli die abenteuerliche Flucht aus dem faschistischen confino in Lipari gelungen und sie gründeten und lenkten gemeinsam, wenn auch nicht einhellig, Giustizia e Libertà, die von Rosselli ironisch als „Exil-Akademie“ bezeichnete Widerstandbewegung in Paris. Lussu, nach schwerer Krankheit rekonvaleszent, konnte seine Solidarität mit Rosselli und seinen Spanienkämpfern dennoch mit einer Reihe von Artikeln über die Legione Italiana in Ispagna (erschienen in „GL“, 28. Aug. – 18. Dez. 1936) beweisen, mit denen er die Bemühungen Rossellis nachhaltig unterstützte, seine Colonna Aragonese zu einer großen revolutionären Einheit zu erweitern – bevor sich die rivalisierende, von Madrid bevorzugte Brigata Garibaldi konstituierte.
Für die Angehörigen von GL und viele andere italienische Emigranten war der Spanische Bürgerkrieg die lang erwartete Gelegenheit, endlich mit der Waffe in der Hand gegen den Faschismus zu kämpfen. Was sie an die Front trieb war die Hoffnung, den Kampf in Spanien einmünden zu lassen in die Befreiung Italiens. Für Rosselli selbst stellte sich die spanische Revolution, die er Seite an Seite mit den katalanischen Anarcho-Syndikalisten lebte, als eine „neue“ Art der Revolution dar, die den Charakter eines libertären europäischen Humanismus tragen sollte. Obwohl ihm die Ereignisse des März 1937 (jornadas de Mayo) in Barcelona schwere Gewissenskonflikte bereiteten, blieb er der Sache treu: „Trotz aller Irrtümer, Rückschläge und Enttäuschungen bleibt Spanien das Schlachtfeld zwischen Faschismus und Antifaschismus. Man muss weiterkämpfen. Man muss siegen“ schrieb er am 21. Mai 1937, einen Monat bevor ihn die von Mussolini bezahlten Meuchelmörder niedermetzelten.
OriginalspracheDeutsch
TitelDer Spanische Bürgerkrieg als (Anti)Humanistisches Laboratorium
UntertitelLiterarische und mediale Narrative aus Spanien, Italien und Österreich
Redakteure*innenMarlen Bidwell-Steiner, Birgit Wagner
ErscheinungsortGöttingen
Herausgeber (Verlag)V&R unipress, Vienna University Press
Seiten125-142
ISBN (elektronisch)978-3-8470-0944-3
ISBN (Print)978-3-8471-0944-0, 3-8471-0944-8
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2019

Publikationsreihe

ReiheBroken Narratives
Band4
ISSN2366-3596

ÖFOS 2012

  • 601022 Zeitgeschichte
  • 602042 Romanistik
  • 605004 Kulturwissenschaft

Schlagwörter

  • Spanischer Bürgerkrieg-italienischer Antifaschismus-Giustizia e Libertà-

Zitationsweisen