Description
"Wer sich als Tourist oder Historikerin nach Tirol, Sachsen oder die Mittelslowakei begibt, dem hallt noch stets das ""Berggeschrei"" des späten 15. und 16. Jahrhunderts entgegen: wie im Rausch strömten damals Abenteurerinnen und Kaufleute in unwirtliche Gegenden, zerstörten in Windeseile die Wälder und wurden über Nacht reich und auch wieder arm. Allerdings entstanden hier während und nach den Booms auch markante Formen des Langzeitdenkens: Bergbeamte und Stadtregierungen vermaßen und kartierten Schächte, Stollen, Hammerwerke, Raffinerien, Wälder, Seen, Kanäle und Getreidespeicher. Sie erstellten Zeitreihen, führten genau Buch und legten sorgfältige Archive an. Aufbauend auf Thomas Morels jüngster Analyse von Raumtechniken im mitteleuropäischen Bergbau untersucht dieser Vortrag die technischen Mittel, mit denen Bergleute, Beamte und Investor:innen Zeitlichkeiten erzeugten: bestimmte Arten und Weisen wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durch Erfahrungen und Erwartungen miteinander in Beziehung stehen. Im Fokus stehen hierbei Horoskope, Kalender und Ertragsprognosen, die von Zeitgenossen stets in providenziellen und kosmologischen Bezügen gedacht wurden. Wie haben diese zahlen- und textbasierten Techniken den praktischen Umgang mit Zeit geprägt? Und in welchem Verhältnis steht die Zeitlichkeit des neuzeitlichen Bergbaus zur modernen Nachhaltigkeit – eines vorausschauenden Bewirtschaftungsprinzips, das spätestens seit dem Brundlandt-Report 1987 in aller Munde ist?| Period | 13 Jan 2026 |
|---|---|
| Held at | Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Austria |
| Degree of Recognition | National |
Documents & Links
Related content
-
Projects
-
Sustained Concerns: Administration of Mineral Resources in Central Europe, 1550-1850 (SCARCE)
Project: Research funding