Molengue heißt auf Deutsch Augenstern: Über den Versuch, den Reichtum von Sprachen für die Bildung zu nutzen

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Abstract

„Molengue“ oder auch „molengué“, bzw. „molenge“ ist ein Hauptwort in Sango, der Nationalsprache der Zentralafrikanischen Republik. In den Wörterbüchern wird es mit Kind übersetzt. Kind ist auch die Bedeutung, die diesem Wort in der Kommunikation unter Sango-Verwender*innen gegeben wird. Was hinter dieser heutigen Bedeutung steht, darüber hat sich Helmut Buchegger, der lange Zeit als Missionar in Zentralafrika gelebt hat, Gedanken gemacht (Buchegger 2021). Er deutet "molenge" ähnlich wie andere zusammengesetzte Wörter, indem er der die Bestandteile des Wortes analysiert: "mo" ist die Anrede für die zweite Person, "le" heißt Auge und auch Perle, schließlich das dritte Wort "nge", klein, mager. Nicht in allen Sprachen sind die Bezeichnungen für Kind auf diese oder ähnliche Komponenten zurückführen. Die französische Bezeichnung „enfant“ beginnt mit einer Verneinung, die sich aus dem Lateinischen infans ableitet (Brachet 1874, 205). Verneint wird das lateinische Zeitwort fari, das aus dem Griechischen "phaô" kommt. Auch wenn die Bedeutung, die dem sprachlichen Zeichen „enfant“ allgemein gegeben wird, nicht mehr darauf verweist, so verweisen die Bestandteile des französischen Wortes jemanden, der/die (noch) nicht sprechen kann.
Eine Sprache bietet eine Sichtweise auf die Dinge der Welt an. Ihr liegt ein Ordnungssystem zugrunde, das sich von dem anderer Sprachen deutlich unterscheiden kann. Die Art und Weise, wie eine Sprache die Welt kodiert, hängt eng mit den Lebensumständen ihrer Sprecher*innen zusammen.
Original languageGerman
Title of host publicationVielsprachige Reiseberichte
PublisherCourt of Justice of the European Union
Chapter1
Pages85 - 94
Number of pages10
ISBN (Electronic)doi: 10.2862/022150
ISBN (Print)978-92-829-3837-9
Publication statusPublished - 2023

Austrian Fields of Science 2012

  • 602007 Applied linguistics

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