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Subjektfiguren der Gefühlsvermessung: Zur Bildlichkeit von Mood Tracking-Apps

Publications: Contribution to journal › Article › Peer Reviewed

Abstract

In diesem Beitrag wird implizit-bildlich vermitteltes Wissen im visuellen Auftritt zweier populärer Anwendungen zur digitalen Gefühlsvermessung – dem sogenannten Mood-Tracking – rekonstruiert. Die empirische Grundlage bilden zwei weit verbreitete Apps aus dem Privat- sowie Arbeitskontext (Daylio und Wellspace). In der Logik eines komparativ-diachronen Forschungsdesigns werden diese miteinander und entlang ihrer zeitlichen Entwicklung über fünf Jahre hinweg verglichen. Dabei fokussieren wir mit Icons und Welcome-Screens auf zweihochgradig standardisierte Darstellungsformate, durch die ideale Nutzer*innentypen und Anwendungsszenarien symbolisch verdichtet kommuniziert werden. Methodologisch haben wir hierfür die dokumentarische Bildinterpretation für die Anwendung auf grafische User*innen-Interfaces und deren spezifische Verschränkung von Bildlichkeit, Text und Operativität adaptiert. Bildanalytisch eröffnet sich so ein systematischer Zugang zur diskursiv-normativen Seite von Subjektivierungsprozessen, da Bilder als simultane, ästhetisch-affizierende Medien spezifische Subjektfiguren unmittelbar zu (re-)präsentieren vermögen. Dabei fassen wir Mood-Tracking-Apps als multimediale Mikrodispositive, die mit übergreifenden gesellschaftlichen Diskursen in Wechselwirkung stehen. Vor diesem Hintergrund konnten wir in der Analyse drei Strukturprinzipien und Entwicklungstendenzen von Mood-Tracking identifizieren: 1. die Rahmung von emotionaler Selbstbeobachtung als Mittel zur Steigerung von individuellem Wohlbefinden und Erfolg; 2. eine neuartige Form der Affektverfügung als technologisch gestütztes Lesbarwerden des Selbst; und 3.eine bildlich inszenierte Auflösung gegensätzlicher Subjektanforderungen (Entspannung vs. Produktivität) bei gleichzeitiger Ausblendung strukturell-außenweltlicher Problem
Original languageGerman
Article number9
Number of pages39
JournalForum Qualitative Sozialforschung
Volume26
Issue number2
Publication statusPublished - 2025

Austrian Fields of Science 2012

  • 504019 Media sociology
  • 509026 Digitalisation research

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